Mostars verschwundene Serben
Die serbisch-orthodoxe Gemeinde in der herzegowinischen Stadt Mostar ist nahezu ausgelöscht worden. Nach Angaben einiger Vertreter leben dort heute nur noch 5 000 von ihnen, das sind gut 5 % der Stadtbevölkerung. Es waren einmal um die 25 000. Der Konflikt zwischen Bosniaken und kroatischen Bosniern in der alten Stadt dominiert nach wie vor die Nachkriegsdiskussion. Die serbischen Bosnier und ihre Probleme wurden vergessen, seltsamer weise auch von Serben außerhalb der Stadt.
Die serbisch-bosnische Rückkehr nach Mostar hält sich in Grenzen. Die meisten finden zerstörte Häuser vor, in denen es sich nicht leben lässt. Der Wiederaufbau läuft schleppend voran bzw. ist kaum vorhanden. An finanziellen Mitteln mangelt es eigentlich immer. Jetzt soll eine neue orthodoxe Kirche im Zentrum der Stadt gebaut werden. Das soll die Anzahl der Gemeindemitglieder vergrößern helfen.
Die wunderschöne Innenstadt mit ihrem nicht enden wollenden Strom an leicht bekleideten Menschen bietet freilich ein anderes Bild. Der Süden Bosniens ist heiß, schwül und gemütlich. An jeder Häuserecke vorbei schlängelt sich Musik, einmal Turbofolk, einmal rockige Musik vom “Ausland”. Der Himmel ist dunkel, die Straßen strahlen. Die einstigen Konflikte sind nicht zu spüren, über die neuen wird ab und an geredet.
Die Frage, wer die Verlierer und Gewinner des dritten Balkanskrieges des 20. Jahrhunderts sind, ist keine einfache. In der größten Stadt der Herzegowina, in Mostar, ist die serbische Bevölkerung bestimmt nicht auf der Gewinnerseite anzutreffen.
(alm)