Regionale Zusammenarbeit
Die Länder des Westbalkans arbeiten immer enger zusammen. Das behauptet jedenfalls die Region über sich. Der serbische und kroatische Präsident Boris Tadic und Ivo Josipovic pflegen eine gute Gesprächsbasis. Der Kosovo genießt ebenso wie Montenegro in allen Balkanstaaten- ausgenommen Serbien – viel Respekt. Kroatien, Montenegro und Albanien werden ob ihrer euro-atlantischen Fortschritte immer öfter als Musterschüler genannt.
Erhard Busek und Alexander Van der Bellen sehen das ein wenig kritischer. Busek meint, dass die Zusammenarbeit vor allem mit Staaten außerhalb der Region funktioniere. Innerhalb sieht es nicht so gut aus, zumindest ökonomisch nicht. Und Van der Bellen kann es regelrecht nicht fassen, dass Bosnien keinen einheitlichen Markt hat. In diesem Land gibt es Steuerhochheiten der beiden Entitäten und innerhalb der Föderation (bosniakisch-kroatischer Teil) bestehen zwischen den zahlreichen Kantonen ebenfalls unterschiedliche Steuer- und Abgabequoten. Das sagten die beiden zuletzt auf einer Westbalkan-Konferenz in Sarajevo.
Dennoch sind die Entwicklungen im Hinblick auf die regionale Kooperation positiv. Vor kurzem hat eine Belgrader Studie ergeben, dass die Serben sich von den alten Feindbildern distanziert haben. Bosnier oder Kroaten werden gar nicht mehr erwähnt und ganz oben auf der Lister der Gegner stehen die USA. Und die Kriegsverbrecher sind so gut wie alle gefasst worden. Die Stimmung könnte kaum besser sein.
Es darf aber nicht vergessen werden, dass es immer noch failing states gibt, wie etwa den Kosovo oder Bosnien. Doch vor allem die USA vergisst nie zu betonen, dass der Westbalkan ein integraler Teil Europas sei. Und Außenpolitik-Staatssekretär Wolfgang Waldner bekräftigte zuletzt wieder einmal seinen Wunsch, alle Länder dieser Region so bald als möglich im EU-Klub sehen zu wollen.
Bosnien und Kosovo sind diejenigen Staaten, die wohl mit größtem Abstand hinter allen anderen Ländern der Region hinterher hinken. Der Rest macht mehr oder weniger sichtbare Fortschritte hin zu einer gesunden Demokratie und einem baldigen EU-/NATO-Beitritt. Zwischen den Westbalkan-Staaten riecht die Luft schon lange nicht mehr nach Blei. Die Zeichen stehen gut im hügeligen, heißen Südosten des alten Kontinents.
(alm)