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Almedin Čandić

Mostars verschwundene Serben

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Die serbisch-orthodoxe Gemeinde in der herzegowinischen Stadt Mostar ist nahezu ausgelöscht worden. Nach Angaben einiger Vertreter leben dort heute nur noch 5 000 von ihnen, das sind gut 5 % der Stadtbevölkerung. Es waren einmal um die 25 000. Der Konflikt zwischen Bosniaken und kroatischen Bosniern in der alten Stadt dominiert nach wie vor die Nachkriegsdiskussion. Die serbischen Bosnier und ihre Probleme wurden vergessen, seltsamer weise auch von Serben außerhalb der Stadt.

Die serbisch-bosnische Rückkehr nach Mostar hält sich in Grenzen. Die meisten finden zerstörte Häuser vor, in denen es sich nicht leben lässt. Der Wiederaufbau läuft schleppend voran bzw. ist kaum vorhanden. An finanziellen Mitteln mangelt es eigentlich immer. Jetzt soll eine neue orthodoxe Kirche im Zentrum der Stadt gebaut werden. Das soll die Anzahl der Gemeindemitglieder vergrößern helfen.

Die wunderschöne Innenstadt mit ihrem nicht enden wollenden Strom an leicht bekleideten Menschen bietet freilich ein anderes Bild. Der Süden Bosniens ist heiß, schwül und gemütlich. An jeder Häuserecke vorbei schlängelt sich Musik, einmal Turbofolk, einmal rockige Musik vom “Ausland”. Der Himmel ist dunkel, die Straßen strahlen. Die einstigen Konflikte sind nicht zu spüren, über die neuen wird ab und an geredet.

Die Frage, wer die Verlierer und Gewinner des dritten Balkanskrieges des 20. Jahrhunderts sind, ist keine einfache. In der größten Stadt der Herzegowina, in Mostar, ist die serbische Bevölkerung bestimmt nicht auf der Gewinnerseite anzutreffen.

(alm)

Written by Almedin Candic

July 6, 2011 at 4:56 pm

Regionale Zusammenarbeit

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Die Länder des Westbalkans arbeiten immer enger zusammen. Das behauptet jedenfalls die Region über sich. Der serbische und kroatische Präsident Boris Tadic und Ivo Josipovic pflegen eine gute Gesprächsbasis. Der Kosovo genießt ebenso wie Montenegro in allen Balkanstaaten- ausgenommen Serbien – viel Respekt. Kroatien, Montenegro und Albanien werden ob ihrer euro-atlantischen Fortschritte immer öfter als Musterschüler genannt.

Erhard Busek und Alexander Van der Bellen sehen das ein wenig kritischer. Busek meint, dass die Zusammenarbeit vor allem mit Staaten außerhalb der Region funktioniere. Innerhalb sieht es nicht so gut aus, zumindest ökonomisch nicht. Und Van der Bellen kann es regelrecht nicht fassen, dass Bosnien keinen einheitlichen Markt hat. In diesem Land gibt es Steuerhochheiten der beiden Entitäten und innerhalb der Föderation (bosniakisch-kroatischer Teil) bestehen zwischen den zahlreichen Kantonen ebenfalls unterschiedliche Steuer- und Abgabequoten. Das sagten die beiden zuletzt auf einer Westbalkan-Konferenz in Sarajevo.

Dennoch sind die Entwicklungen im Hinblick auf die regionale Kooperation positiv. Vor kurzem hat eine Belgrader Studie ergeben, dass die Serben sich von den alten Feindbildern distanziert haben. Bosnier oder Kroaten werden gar nicht mehr erwähnt und ganz oben auf der Lister der Gegner stehen die USA. Und die Kriegsverbrecher sind so gut wie alle gefasst worden. Die Stimmung könnte kaum besser sein.

Es darf aber nicht vergessen werden, dass es immer noch failing states gibt, wie etwa den Kosovo oder Bosnien. Doch vor allem die USA vergisst nie zu betonen, dass der Westbalkan ein integraler Teil Europas sei. Und Außenpolitik-Staatssekretär Wolfgang Waldner bekräftigte zuletzt wieder einmal seinen Wunsch, alle Länder dieser Region so bald als möglich im EU-Klub sehen zu wollen.

Bosnien und Kosovo sind diejenigen Staaten, die wohl mit größtem Abstand hinter allen anderen Ländern der Region hinterher hinken. Der Rest macht mehr oder weniger sichtbare Fortschritte hin zu einer gesunden Demokratie und einem baldigen EU-/NATO-Beitritt. Zwischen den Westbalkan-Staaten riecht die Luft schon lange nicht mehr nach Blei. Die Zeichen stehen gut im hügeligen, heißen Südosten des alten Kontinents.

(alm)

Written by Almedin Candic

July 1, 2011 at 11:43 am

Kinder im Rechtssystem BuHs

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Bosnien und Herzegowina ist nicht gerade berühmt für sein Rechtssystem. Man denke nur an die Klage des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg, weil das Land keine anderen als die drei bekannten Ethnien in die Völkerkammer und in das Staatspräsidium lässt. Doch auch nicht so augenscheinliche Bereiche sind in BuH nach wie vor nicht auf internationalem Standard. Genau das möchte die UNICEF ändern.

Gemeinsam mit der schwedischen und der schweizer Entwicklungsagentur SIDA und SDC haben sie mit NGOs und Ministerien des Landes eine mediale Aufklärungskamagne gestartet, um Kindern bei Konfliktfällen mit dem Gesetz adäquate Unterstützung zu gewährleisten. Diese soll sich vor allem an der UN-Konvention über die Rechte des Kindes orientieren. Prävention soll genau so forciert werden wie die Aufklärung über Alternativen zu einem strafgerichtlichen Verfahren, wie etwa Mediation.

Es wird auch seitens der UNICEF betont, dass die Republika Srpska bei der Gesetzgebung weiter als die Föderation ist, was wohl auch damit zusammen hängt, dass die Föderation extrem föderativ, und die Republika sehr zentral verwaltet wird. Nichtsdesto trotz soll die Kampagne auch die mediale Wahrnehmung von straffällig gewordenen Minderjährigen verbessern. Alles in allem ein guter Schritt.

(alm)

Written by Almedin Candic

June 30, 2011 at 11:28 am

Der Zirkel: Geplante Obsoleszenz

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Hier ein neuer Artikel auf DerZirkel.wordpress.com!

Link: Geplante Obsoleszenz.

Written by Almedin Candic

February 26, 2011 at 7:29 pm

Posted in kommentar, politics

Schönthaler: “Nein zu Jein”

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Der Unternehmensberater Walter Schönthaler hat für die aktuelle medianet einen sehr witzigen Kommentar über die österreichische Streitkultur verfasst. Er schreibt, dass Österreich “eine konsensuale Republik sei” und ihr Recht “vom Kompromiss” ausgehe. Der Bürger verhält sich in diesem Land “immerwährend neutral”. Er nennt diese Form der Konfliktaustragung – mit Blick auf Neugebauer, die Sozialpartner und die Realverfassung – als das K & K – Prinzip, also Kompromiss- und Konsensual-Prinzip.

Allerdings wünscht er sich ein drittes K; nicht um als rassistischer Schwarzenhasser zu gelten, sondern um das Wort Konflikt auch einmal in die hiesige Streitkultur einzubauen. Sehr schöner Kommentar.

Leider hat es die medianet-Redaktion verabsäumt, seinen Text online zu stellen. Beziehungsweise scheint es technisch irgendwo Macken zu geben. Sobald sich das aber ändert, wird hier ein Link gepostet.

Andreland

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Heute ist Video- und Musikkunst an der Reihe. Der junge Andreland mit einem seiner ersten Werke. Gerne auch zum weitererzählen und -empfehlen!

Bei Interesse oder Fragen, einfach mit mir Kontakt aufnehmen.

Written by Almedin Candic

February 8, 2011 at 9:06 pm

Zentralfriedhof Wien-Simmering

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Die Fotos sind an einem Sonntag Nachmittag im Wiener Zentralfriedhof entstanden.

Written by Almedin Candic

February 6, 2011 at 7:02 pm

Das menschliche Handeln ist der Mensch

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Die Gerichtsverhanldung im Saal 203 des Landesgerichts für Strafsachen Wien hat mir die Augen geöffnet. Der Fall (siehe Artikel unten) zeigte mir, die nachvollziehbar das menschliche Handeln ist oder sein kann. Das Ergebnis der Tatnacht ist bekannt, die Anwesenden sind auch identifiziert. Aber wie alles ablief – darüber scheiden sich die Geister und streiten sich die Parteien.

Ein Vorfall, viele Geschichten. Vor allem für mich als Kommunikations- und Politikwissenschaft-Student war es lehrreich zu sehen, dass das gesamte Leben, Denken und Handeln eines Menschen entlang eines roten Fadens betrachtet wird. Zumindest versuchten die Richter, Anwälte, Gutachter und Geschworenen, einen Zusammenhang her zu stellen. Einen Zusammenhang nämlich, zwischen der Biographie des Beklagten, seinen Absichten und Motiven. Das Ziel war ein plausibler Rückschluss auf die Ereignisse, um natürlich über die angemessene Strafe zu entscheiden.

Mich wunderte nicht so sehr, dass das Rechtssystem in diesem Einzelfall ordentlich zur Anwendung kam. Jeder Anwesende des Saals hatte seine Rechte und Pflichten und wurde respektvoll behandelt. Der bekannte wiener Grant bzw. Scharm mit einbezogen. Es war aber regelrecht faszinierend zu sehen, dass das Leben eines Menschen mit Argumenten, Erzählungen und somit aus vielen Mosaiksteinchen als imaginäres Bild gezeichnet werden kann.

Der Mensch will immer etwas Lineares schaffen, damit er Handlungen und Phänomene erklären kann. Ob das der richtige Ansatz ist – keine Ahnung, woher soll ich das wissen? (Zen würde sagen: “Was weißt du schon?”). Aber so werden wir uns wohl alle irgendwann vor unserem inneren Richter wieder finden und unsere eigene Geschichte zusammenbauen. Aus unseren Taten und unserem Denken, unseren Werten und deren Folgen. Da ist es fast erschreckend, dass wir uns in jeder einzelnen Hanndlung wiederfinden können. Und jedes Handeln malt ein Stückchen unseres eigenen Lebens-Bildes. Wir verwirklichen uns in jedem Augenblick.

Written by Almedin Candic

February 3, 2011 at 11:16 pm

Gericht: Z. soll drei Männer verletzt haben

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Der gebürtige Rumäne Z. wird beschuldigt, drei Männer verletzt, einen sogar beinahe getötet zu haben. In einem Wiener Lokal soll er zu Silvester 2008 seine Freundin besucht haben, die dort Kellnerin war. Die Opfer und Zeugen sprechen von krankhafter Eifersucht, der mutmaßliche Täter von Notwehr. Die Verhandlung fand am Landesgericht für Strafsachen in Wien in der zweiten Instanz statt.

Alle drei Männer wurden in derselben Nacht von dem selben Mann an dem selben Ort verletzt, namentlich von Z, wie sie angeben. Er soll vor allem das letzte vermeintliche Opfer mit einem Fischermesser zu einem “Wrack” gemacht haben, wie die vorsitzende Richterin Schneider sagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mordversuch vor. Z. besteht aber darauf, dass er das Opfer gewesen sei und sich mit Hilfe seines schweizer Taschenmessers überhaupt das Leben rettete. Z. verlor vier (“oder fünf”, so Z.) Zähne bzw. sie brachen ihm ab.

Ab jetzt breiten sich Widersprüche in der Verhandlung aus. So ist er nach Zeugenbefragungen der einzige, der aussagt, er sei von einer ihm unbekannten Person im Lokal von der Seite geschlagen worden, stürzte und bekam von einem Angreifer dessen Daumen in die Augen gedrückt. Draußen vor dem Lokal ging dann die Schlägerei los, da er aber nichts sah, konnte er sich nur gegen Unbekannt wehren. Wieviele es waren, kann er nicht sagen.

Alle anderen geben an, er sei gereizt durch das Lokal stolziert und habe Stammgäste belästigt, die gerade dabei waren, seine aufgebrachte und durch sein krankhaft eifersüchtiges Verhalten verunsicherte Freundin zu beruhigen. Danach folgte eine Handgreiflichkeit samt einem Hinauskomplimentieren. Z. sieht das aber  anders.

“Ich glaube, das war keine Eifersucht, das war Sorge”, so er. Schließlich habe er sich um seine drogensüchtige Freundin gekümmert, die aber, so ein Gutachten, zu dem Zeitpunkt schon längst clean war. Diese stellt das auch bei ihrer Aussage klar. Außerdem spricht sie von Salzwasser in ihren Blumen als Rache, von einer Katze, die ihr Ehemaliger aus dem Fenster warf und seinen psychischen Problemen. Ja, sie war verliebt, er jedoch “unberechenbar”.

Da zwei der drei vermeintlichen Opfer aus gesundheitlichen Gründen nicht zu dem Verhandlungstermin erscheinen konnten, werden diese im März geladen. Dann wird auch das Urteil verkündet. Bevor sich die Beteiligten überhaupt an die Terminsuche machten, merkte der Staatsanwalt freundlich an, dass er in nächster Zeit “viel weg” sei. Gelächter, da unerwartet. Nach der Einigung erklärte er sich zufrieden, denn: “Da bin ich schon wieder da.” Akten werden gewälzt, Gelächter.

Foto: Pixelio.de/geralt

Written by Almedin Candic

February 3, 2011 at 4:50 pm

Die politisierende Gesellschaft und die politische Realität

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Seitdem die ägyptische Bevölkerung gegen Mubarak, sein “System” und die Zustände in ihrem Land protestiert, seitdem wird auch die Rolle des Westens zu Mubarak und seiner Regierung debattiert. Dabei verlaufen die Fronten recht eindeutig, Authentizität wird auf der einen Seite verlangt, Ruhe und Sachlichkeit auf der anderen.

Das eine Lager ist der Ansicht, dass die westliche Welt und vor allem die USA ihre Rolle den islamischen Ländern gegenüber glubwürdiger gestalten müssen. Glaubwürdiger insofern, als dass Sie nicht mehr Wasser predigen und Wein trinken sollen. Obama und die restlichen Regierungen der reichen Länder sollen nicht nur überall Menschenrechte fordern, sondern diese konsequent auch von Verbündeten verlangen. Konkret eben bei Mubarak.

Das andere Lager hingegen verweist auf die spezifische Funktion Ägyptens im internationalen Staaten- und politischen System. Ägypten als ein stabilisierender Faktor in der Region, speziell im Nahost-Konflikt. Dieses Lager setzt sich scheinbar überwiegend aus der politischen Elite zusammen, sprich: Regierungsverantwortlichen, Diplomaten, etc.

Also wieder einmal ein Realitätsbruch zwischen Staat und Zivilgesellschaft; die staatlichen Eliten schielen auf die Funktion, der einfache Zivilist fordert Authentizität. Hier tritt auch wieder die Rolle der Politikwissenschaft ans Tageslicht, bezeichnend in der Person von Hamed Abdel-Samad, einem deutsch-ägyptischen Politologen. Er analysiert nicht die Lage, prognostiziert nicht die Entwicklungen in dem nordafrikanischen Land auf wissenschaftlicher Basis. Er spricht lieber davon, dass Mubarak heute “eine Gefahr für Ägypten und eine Gefahr für die gesamte Region” sei und “die Welt muss das erfahren”.

Politikwissenschaftler sind Politiker ohne Ämter. Obama äußert sich da ein wenig diplomatischer, realistischer und vor allem globaler. Er erwähnt ausdrücklich die Rechte des ägyptischen Volkes, sagt zwar, dass die USA und Ägypten eine “close partnership” haben, aber “he [Mubarak, Anm.] has a responsibility” für politische, soziale und ökonomische Reformen zu sorgen.

Letzten Endes ist die Einschätzung eines demokratischen Präsidenten nüchterner, ehrlicher und pontierter als die der politisierenden Wissenschaft . Der genannte Bruch zwischen den beiden Linien liegt vermutlich daran, dass Politikwissenschaftler so unabhängig sind, dass sie alle möglichen Forderungen stellen können. Und sie sind nicht im Besitz aller Informationen, weswegen ihre Einschätzungen auf halben Wahrheiten basieren und damit selbst nur halbe Wahrheiten darstellen.

Und Politikwissenschaftler haben keine globale politische, ökonomische, soziale Verantwortung – zumindest bei weitem nicht in dem Ausmaß, wie es ein Regierungsmitglied hat. Daher die verschiedenen Auffassungen.

Written by Almedin Candic

February 1, 2011 at 12:54 pm

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